Däumerling

Burleskes Abenteuer für groß, klein und ganz klein, ab 4 Jahren
nach dem Märchen "Daumesdick" der Gebrüder Grimm und der katalanischen Version "Patufet / Der Rotkohl"

Auf einmal ist er da, der Junge, der so klein ist wie ein Daumen.
Doch schlau ist er, hat Witz und eine große Klappe.
Gerade als er das erste Mal seinem Vater bei der Arbeit helfen will, befindet er sich unversehens ganz allein auf abenteuerlichen Wegen.
Er versteckt sich vor Geschäftsleuten, haut Diebe übers Ohr, eine Kuh verschluckt ihn und dann schlingt ihn auch noch der Wolf hinunter.
Däumerling, der Junge, der nur so groß ist wie ein Daumen, wandert, springt und randaliert durch alle Mägen und Welten, um nach Hause zurück zu kehren.

Foto: Jasmin Bojahr
Foto: Irmela Diedrichs
Foto: Irmela Diedrichs
Foto: Günter Wolters
DÄUMERLING
Premiere im Figurentheater „FADENSCHEIN“

Die Kuh ! Lebensgroß aus Pappe gebaut, mit milchprallem Euter und schleckender Zunge beherrscht die Bühne und verdeutlicht, wie winzig dagegen der Däumerling ist, dieses ersehnte Kind der Bäuerin. Anke Berger spielt den Gegensatz voll aus, setzt ihr fingerkurzes Figürchen samt kleinster Requisiten auf den Rücken der Kuh in Szene und kein Detail geht den Blicken des Publikums verloren. Unter der bewährten Regie von Margrit Gysin liefert Anke Berger mit ihrem Märchenspiel vom „Daumesdick“ der Gebr. Grimm ein Theater, das Vorschulkindern und Erzieherinnen beispielhaft zeigt, wie viel Imaginationskraft in wenigen Requisiten stecken kann, um eine Geschichte lebendig werden zu lassen! Sie selbst verwandelt sich von der Erzählerin in die Bäuerin, einen Geschäftsmann, eine Magd und sogar in die Diebesbande. Ein Kopftuch, ein Hut, eine Schürze, ein Büschel Gras regen zur Verwandlung an. Und der Kostümphantasie von Bärbel Rabold gelingt es sogar, den winzigen Hauptakteur mehrmals umzukleiden. Ferner treten auf: ein Pferd, ein Wolf und natürlich viel Heu, das sehr zur Freude der Kinder von der Kuh verdaut, unter Blähungen, den Ausgang findet. Nele Fuchs, Halina Diedrichs und Anke Berger sind mit einfachem Material überzeugende Figuren gelungen, wobei der quicklebendige Wolf aus Sack und Pappe besonders beeindruckt. Stefan Maucks Kuh steht für das Bühnenbild und überrascht immer wieder durch raffinierte Details, die das Tier gar zu einer Landschaft werden lassen. Natürlich gibt es Gefahren und Ängste, die kleinen Menschen vertraut sind. Aber furchteinflößend wird hier nicht agiert. Die Dramaturgin Irene Beeli setzt das Erscheinungsbild der Spielerin, ihre mütterlicher Geborgenheit und das kindlich vertraute Gesicht ins Zentrum der Handlung, gepaart mit verständlicher Sprachdiktion plus einigen geheimnisvollen Grimmschen Altertümlichkeiten. Auch an einfache Mitsingeinlagen ist gedacht, die leider für kindliche Stimmlagen zu tief angestimmt werden. In diesem Punkt ließe sich an der aktiven Mitwirkung des Publikums noch arbeiten. Dennoch: eine empfehlenswerte Inszenierung voller Anregungen zum Selbstbehaupten, Mutigsein und Theaterspielen mit Kindern.

Marianne Winter
Braunschweiger Zeitung, 27.09.2015